Weihnachtsbrief

Angenehm ist am Gegenwärtigen die Tätigkeit, am Künftigen die Hoffnung und am Vergangenen die Erinnerung (Aristoteles)

Liebe Freunde, Mitglieder und Sponsoren der Kinderhilfe Bapatla e.V.

Das Jahr 2020 geht zu Ende an das wir uns immer erinnern werden. 

Alle Länder, Städte, Gemeinden, Familien und jeder Einzelne wurde durch die Corona Pandemie verändert, zumindest aber beeinflusst.

Unsere Arbeit in Indien mussten wir pandemiebedingt anpassen. Zu Beginn des Jahres haben wir uns noch in Sicherheit gewähnt und so hatte ich mich mit meinem Freund und Vorstandsmitglied Reinhard Altendorf im Februar aufgemacht, unsere aktuellen Projekte und unsere Schützlinge in Indien zu besuchen. Zur gleichen Zeit war Manuela Baltz (sie ist auch in diesem Jahr wieder für die Bildseite verantwortlich) mit einer Gruppe von Pateneltern in Südindien vor Ort und hatte einige Zeit in Bapatla mit den Kindern verbracht. Niemand hatte geahnt, was sich während unseres Aufenthaltes und kurze Zeit nach unserer Abreise alles ändern würde.

Aber zunächst eine kurze Schilderung unserer Zeit in Bapatla. Unsere Reise hatten wir, wie immer durchgetaktet und zunächst die Projekte und Familien in Bapatla, Vedullapali und Bethapudi besucht. Am dritten Tag der Reise besuchten wir die Mädchen im Hostel in Bapatla und trafen uns abends mit unserem Partner der Kinderhilfe Charible Trust (KCT), Bala jun., Bala sen., Prakash und unserem langjährigen Lehrer Amanath zu einem Arbeitsgespräch. Dort erreichte uns die Nachricht, dass unser ehemaliger Projektleiter, Pfr. Ina, der unser Kinderheim in Pedakurapadu aufbaute, einen Verkehrsunfall hatte und in ein Krankenhaus eingeliefert wurde.

Am frühen Morgen des nächsten Tages fuhren wir zum Haus von Bala Sen., wo wir zwei unserer langjährigen Mitarbeiter, Rany und Bosco verabschiedeten. Über zwei Jahrzehnte haben sie unsere Kinder in Bapatla und Emani bekocht und uns bei unseren Aufenthalten im Haus von Bala Sen. mit ihren Kochkünsten verwöhnt. Mit dem Versprechen, wenn jemand von unseren Spendern und Freunden nach Indien kommt, werden sie für uns kochen, entließen wir sie in den wohlverdienten Ruhestand.

Weiter ging die Fahrt nach Guntur zu Bala jun.. Wir besuchten das St. Josef Krankenhaus und die angegliederte Schule, die von mehreren hundert Kindern besucht wird. Wieder auf dem Weg nach Bapatla erfuhren wir durch einen Telefonanruf aus Guntur, dass Pfr. Ina an den Folgen seiner Verletzung verstorben war.

Zwei Tage später trugen wir Pfr. Ina Reddy in seinem Heimatdorf Badipantla zu Grabe.

Schwer betroffen arbeiteten wir unsere restlichen Programmpunkte ab, trafen noch einige Partner und Freunde bevor wir wieder nach Deutschland flogen.

Kaum waren wir aus Indien zurück, überschlugen sich die Ereignisse in Indien und der ganzen Welt. Die Corona Pandemie hatte auch Bapatla und unsere Dörfer im Würgegriff. Es kam zu einem kompletten Shutdown. Alle Märkte, Schulen, Kindergärten, Kinderheime und Hostels mussten geschlossen werden. Keine Busse und Bahnen fuhren und sogar alle privaten Krankenhäuser wurden geschlossen. Sofort begann Bala die Bevölkerung über die notwendigen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln aufzuklären. Zusammen mit der örtlichen Presse zogen sie von Dorf zu Dorf und unterrichteten bzw. sensibilisierten die Menschen. Es war nur eine Frage der Zeit, dass wir Lebensmittel an die Familien verteilen mussten, da sie über Nacht alle Arbeit auf den Feldern und in den Städten verloren hatten.

Dann erreichte uns eine weitere bittere Nachricht. Unser erster Projektleiter in Bapatla Pfr. Allam starb am 11. August an den Folgen von Covid 19. Viele, wenn nicht die meisten von uns, kannten Allam von seinen Besuchen in Waldalgesheim und seiner Zeit als Priester in der Pfalz. Er wurde in Badipantla neben seinem Schulfreund Pfr. Ina beigesetzt.

Im Sommer wurde der Lockdown gelockert und die Märkte sind seit dem einige Stunden geöffnet. Im Oktober haben wieder die Schulen für die Oberstufen geöffnet und die Versorgungslage hatte sich etwas verbessert. Nun schlug das Wetter zu. Völlig unerwartet kam es zu schweren Regenfällen im Gebiet um Guntur und Bapatla. Die Straßen und Felder standen kniehoch unter Wasser. Was dies bedeutet, kann jeder erahnen, der schon einmal mit in Indien war und die Hütten und Plastikverschläge am Wegesrand gesehen hat. Ein Großteil der Baumwolle und Baumwollpflanzen gingen verloren. Wieder hat die KCT unseren Kinder und Familien mit Lebensmittelspenden unter die Arme gegriffen. Unser besonderer Dank gebührt der KCT in Person von Bala jun. der durch seinen Sachverstand und seine Netzwerke dies schnell und zielgerichtet durchführte. Aber ohne die großzügigen Spenden unserer treuen Freunde hier in Deutschland wäre dies nicht möglich. Ihnen danken wir von ganzem Herzen.

Zurzeit läuft erneut eine Lebensmittelversorgung der Familien, deren Kinder von uns unterstützt werden. Diese erneute Aktion der KCT wurde durch eine langjährige Freundin, die mich auf einer meiner vielen Reisen nach Bapatla begleitete, ermöglicht.

Unsere Kinder, auch die aus der Kolonie der Papiersammler, besuchen wieder die Schule, soweit dies wieder möglich ist. Das Kinderheim der Jungs in Bapatla bleibt weiterhin geschlossen. Die Jungen leben jetzt bei ihren Eltern und Großeltern. Alle elternlosen Kinder hat Bala in Pflegefamilien untergebracht. Die KCT organisiert wieder den Schultransport und die Versorgung unserer Schüler mit Kleidung, Lernmaterial und wo nötig mit Lebensmittel. Die Mädchen aus dem Hostel in Bapatla sind bei den Schwestern im Konvent in Bapatla untergebracht. Sobald möglich werden dort wieder Nähkurse stattfinden und die Schwestern werden wieder ihre Arbeit als Familienhelfer in den Dörfern aufnehmen.

Vor zwei Wochen tobte ein Zyklon vor den Toren von Chennai und die Auslöser haben wieder in Bapatla und Umgebung zu erheblichen Sachschaden geführt. Besonders betroffen wurden wieder die ärmsten der Armen. Ihre Hütten und Plastikverschläge waren die ersten Opfer. Auch den Unterstand, den wir in der Kolonie für die Kinder der Papiersammler gebaut haben, wurde von einer Windböe erfasst und ist zusammengestürzt. Dort erledigen die Kinder ihre Hausaufgaben und lernen unter der Betreuung einer unserer Lehrerinnen.

Diesen Unterstand werden wir wieder aufbauen und bitten erneut um ihre Unterstützung.

Im Oktober wollten Manuela Balz mit weiteren Helfern nach Indien fliegen und wieder alle Kinder fotografieren, damit sie die Entwicklung ihrer gesponserten Kinder mit verfolgen können. Die Reise mussten wir Corona bedingt in das nächste Jahr verschieben.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. In der Gewissheit unseres Partners der Kinderhilfe Charible Trust, in den Personen unserer Freunde Bala Sen., Bala Jun. und Prakash schauen wir trotz aller Ungewissheit optimistisch in das nächste Jahr 2021. Unsere Arbeit für die ärmsten Kinder unter der tropischen Sonne von Südindien geht auch in Zeiten von Corona weiter, wenn auch nicht so wie in den letzten 25 Jahren.

Aus Gründen zu mehr Eigenständigkeit und Unabhängigkeit vom Bistum Guntur und zur Optimierung der finanziellen Ressourcen müssen neue Wege gegangen werden. Indien verändert sich. Die Probleme der Ärmsten bleiben. Für diese Herausforderungen sind wir durch die Kinderhilfe Charible Trust, KCT bestens gewappnet.

Im Rahmen der erforderlichen Umstrukturierung und der zukunftsorientierten Nachhaltigkeit wird die Organisation eine neue Anlaufstelle für alle Kinder, Jugendliche und Familien erhalten. Dort kann gelernt, gespielt und auch gekocht werden. Es liegt jetzt zentral zwischen Bapatla und Vedullapali. Prakash ist dort vor Ort und wird diese leiten. Er wird unterstützt von unserem langjährigen Lehrer Amanath. Außerdem sind die Balas ebenfalls regelmäßig vor Ort. Die Bauarbeiten mussten durch den Lockdown und die Wetterereignisse zeitweise unterbrochen werden. Daher wird das Zentrum erst im Januar 2021 komplett fertig gestellt sein.

Auch dieses Vorhaben konnten wir Dank Ihrer Spenden unterstützen. Vielen, vielen Dank!

Der Vorstand der Kinderhilfe Bapatla e.V. bedankt sich bei Ihnen für Ihre Unterstützung und wünscht Ihnen und Ihrer Familie ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2021.

Bleiben Sie gesund!

Für den Vorstand

Thomas Munzlinger